Trimmen der Beleistung

Die Beleistung ist wohl eine der größten Herausforderungen beim Bauen einer Gitarre. In der Vergangenheit wurde da sehr viel ausprobiert, erneuert, hoch gelobt, kritisiert und wieder verworfen. Ich halte mich da weitestgehend an das Original und versuche dadurch hinter die "Geheimnisse" zu kommen, die zu genau dieser Ausführung geführt haben. Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich beim Bau des ersten Modells einer neuen Gitarre gerne altbewährte Konzepte weiterführe.

 

So habe ich schon einmal die Grunddaten, die zu funktionieren scheinen, und kann mich entspannt daran orientieren. 

Um die Funktionsweise zu demonstrieren, versuche ich anhand von Steifheit und Masse das Prinzip zu erklären.

 

Da die Decke ca. 3mm stark ist, würde sie dem Druck und dem Zug, die später auf sie einwirken werden, nicht standhalten können. Deshalb wird mittels Beleistung eine Versteifung bzw. Stabilität erzeugt. Durch diese Maßnahme ändert sich allerdings auch das Schwingungsverhalten und somit der Ton.

Um wieder eine ''brauchbare'' Decke zu erhalten, müssen die Braces getrimmt werden. Jetzt könnte man natürlich einfach einmal darauf los arbeiten und Material entfernen. Funktionieren würde das sicher auch, aber ich möchte gerne mehr über das, was ich da mache, wissen. 

 

So ermittle ich den Ton der Decke bzw. des Rückens erst einmal mittels Tap-Tons vor dem Verleimen der Leisten. Es ist übrigens ein sehr großer Unterschied zwischen Back und Top zu hören. Während das Rückenteil deutlich dumpfer und kurz klingt, hat das Fichten-Top einen vollen und lange anhaltenden Ton. Da hätten wir schon einmal die Auswirkungen von unterschiedlichen Materialien.

Nachdem die Beleistung verleimt ist, klopfe ich die Hölzer wieder ab. Der Ton hat sich natürlich total verändert, und die Hölzer schwingen nicht mehr so mit wie vor diesem Arbeitsgang. 

 

Um wieder einen brauchbaren Ton bzw. ein gutes Schwingverhalten zu erreichen, trage jetzt an einer Stelle der Beleistung Holz ab. Dadurch wird die Decke an diesem Punkt wieder flexibler. Dieser Prozess wird natürlich an allen Braces wiederholt, um das Ergebnis hörbar zu machen. Die Decke bzw. das Top schwingen jetzt wieder weiter und langsamer, was den Ton lauter und tiefer macht.

Kontrolliert wird das ständig durch das Anwenden der Tap-Ton-Methode. Dadurch höre ich auch gleich, welche Folgen und Auswirkungen unterschiedliche Handlungen haben. Leider lässt sich die Komplexität nicht so einfach abhandeln, aber grob zusammengefasst kann man wohl von Folgendem ausgehen:

 

A.) Weniger Steifheit bringt mehr Lautstärke und Bässe.

B.) Mehr Steifheit bedeutet mehr Stabilität und mehr Höhen.

Dieses Prinzip hat sich, wie oben bereits erwähnt, schon an den Rohteilen gezeigt.

 

Anhand dieser einfachen Zusammenfassung kann man schon die Problematik erkennen, die oft bei den Soundwünschen auftritt.

Es ist oft eine Gratwanderung, bei der man die Stabilität, die die Deckenkonstruktion benötigt, nicht außer Acht lassen darf.

Der Ton einer Gitarre ist aber eine rein subjektive Sache und wird wohl von jedem Musiker auf seine Art wahrgenommen. 

Welch glückliche Tatsache für den Gitarrenbauer.

 

In den nachfolgenden Beiträgen kann man die Ergebnisse mitverfolgen.

 

Mai 2012   


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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