Vorwort:
Zum Thema Finish könnte man vermutlich Bände schreiben. Für mich ist es ehrlich gesagt die einzige Arbeit im Zyklus eines Bauprozesses, die ich nicht so gerne mache. Um aber ein Instrument zu schaffen, das auch den optischen Anforderungen gerecht wird, ist ein intensives Auseinandersetzen mit der Materie unumgänglich. Von der anfänglichen Unsicherheit ist mit der Zeit eine leichte Routine entstanden, die diesen Arbeitsschritt für mich leichter macht. Ich sehe darin einfach eine Notwendigkeit, die das Instrument vor äußeren Einflüssen schützt und im Idealfall zur Verschönerung und Aufwertung dient. Unter diesem Gesichtspunkt macht das ganze dann auch schon etwas mehr Freude.
Danke:
Das ist auch der Platz und Zeitpunkt, meinem Freund Edi größten Dank für seine Unterstützung auszusprechen.
Er ist mein Mentor und Lehrmeister in Sachen Finish und Oberflächenbehandlung. Ohne seine Hilfe und Einführung in die Lackiertechniken hätte ich wohl heute noch vor jedem Finish die Hosen voll.
Edi, vielen herzlichen Dank.
Arbeitsschritte:
Das Lackieren, zumindest die letzten Schichten, mache ich in einer Spritzbox. Die Tischlerei von Peter und Alexander Matt erlaubt mir das freundlicherweise. Der Polyesterlack ist ohne Absaugung kaum zu verarbeiten bzw. macht er einen ordentlichen Dreck.
Den Aufbau der Lackierung habe ich im Laufe der Zeit angepasst und kann mittlerweile sagen, dass es sich um eine recht dünne Schicht handelt, die aufgetragen wird.
Ich beginne mit dem Beizen des Holzes, wenn das ein Bestandteil der Farbtons Gestaltung ist. Dann werden die Tropenhölzer isoliert. Um die Poren (gerade bei Mahagonie) zu füllen, hat sich gezeigt, dass es besser ist, den Isoliergrund mit einer Walze aufzutragen.
Nach der Trocknung wird die aufgebrachte Schicht leicht angeschliffen.
Jetzt wird das erste Mal Polyesterlack gespritzt. Für eine LP verwende ich 150ml. Diese Menge bringt man auf die Gitarre, ohne dass der Lack ,,läuft'' oder unschön verrinnt.
Laut Hersteller sollte jetzt eine Trocknung von ca. 48h gewährleistet werden, bevor der Lack geschliffen werden kann.
Ich lasse den Lack aber nach dem ersten Auftrag 3 - 4 Wochen reagieren. Erst dann wird ein Zwischenschliff gemacht.
Der erste Zwischenschliff erfolgt mit einer Körnung von 150 bis 220er Trockenschleifpapier.
Meistens schleife ich an einigen Stellen durch, was aber nichts ausmacht, da noch weitere Lackiergänge folgen und es wichtig ist, von Anfang an eine gute Oberfläche zu bekommen. Das Problem eines unzureichendem Zwischenschliffes beim PU-Lack besteht darin, dass die nächste Schicht die Unebenheiten verdoppelt bzw. nicht ausgleicht.
Nach dem Schleifen trage ich die nächste Schicht auf. Die Menge ist wieder 150ml.
Nach einer Trockenphase von 1 - 2 Wochen erfolgt dieselbe Prozedur wie nach dem ersten Gang. Geschliffen wird aber nur noch mit einer 220-Körnung.
Wenn die Poren jetzt zu sind, wird das Binding abgeklebt. Bei meinem ersten Binding habe ich noch über die gesamte Fläche den Farbton gespritzt und musste in mühevoller Arbeit die ganzen Bindings wieder freilegen. Das Abkleben erleichtert mir die Arbeit enorm.
Burst:
Nachdem Bindings und Griffbrett abgeklebt sind, wird das Burst aufgetragen. Da gibt es sicherlich die unterschiedlichsten Methoden. Für mich hat sich das Einfärben des Lackes bewährt.
In mehreren Gängen wird eine dünne Schicht aufgetragen. Es muss darauf geachtet werden, dass der Spritznebel nicht die Mitte des Tops mit einfärbt.
Nach einiger Übung gelingt das, ohne dass man in die Mitte eine Maske oder sonstiges Zeug legen muss.
Kurz nach dem Lackieren vorsichtig die Klebebänder vom Binding entfernen. Wenn das Burst trocken ist (ca. eine halbe Stunde), wird mit einem breiten Pinsel der Spritzstaub vorsichtig heruntergepinselt. Wenn unsaubere Kanten beim Binding entstanden sind, wird jetzt mit dem Bindingscraper oder einer Klinge eines Furniermessers (Ziehklinge etc.) noch alles versäubert, indem man den Lack dort wegschabt.
Unmittelbar darauf wird die dritte Schicht PU-Lack aufgetragen. Wieder werden 150ml verwendet.
Anmerkung:
Die Lackaufträge mit PU-Lack müssen in einem Gang gemacht werden, da sich die Schichten sonst nicht miteinander verbinden.
(Keine Kaffeepause dazwischen machen und dann wieder Lack auftragen.) Wenn also etwas schiefgeht, einfach trocknen lassen, wieder alles anschleifen und noch einmal lackieren.
Diesen dritten Auftrag lasse ich wieder mindestens eine Woche trocknen, und dann wird wieder geschliffen.
Jetzt erfolgt der letzte Gang mit derselben Menge an Lack wie bereits beschrieben. Nach einer Trockenphase von 2 bis 4 Wochen wird mit dem letzten Schliff vor dem Polieren fortgefahren.
Insgesamt wurden 4 Lackiergänge gemacht und sehr viel dazwischen wieder abgeschliffen. Eine industriell hergestellte PU-Lackierung wird um ein Vielfaches dicker sein.
Je sauberer die Verarbeitung der Hölzer im Vorfeld gemacht wurde, desto weniger dick kann dann die Lackschicht ausfallen.
Bei der schwarzen Gitarre wurde zum Abschluss eine Politan Lackierung gemacht. Das gibt eine etwas einfacher zu Schleifende Oberfläche und mehr Glanz am Schluss, ist auch noch ein Grund für diese Methode.