Pickup Bauanleitung

Einleitung:

 

Da ich sehr viele Detailfragen zu diesem Thema erhalte, versuche ich eine möglichst genaue Bauanleitung mit Hinweisen auf die Bezugsquellen zu verfassen.

Vorweg sei erwähnt, dass es sicherlich auch andere Methoden und andere Reihenfolgen für die Arbeitsschritte gibt. Unzählige Modelle und Typen sind in den letzten Jahrzehnten auf den Markt gekommen und machen uns Gitarristen das Leben bzw. die Auswahl schwer.

Was ist der Unterschied zwischen den teuren und den billigen Tonabnehmern und warum verhält sich der Tonabnehmer in der Gitarre meines Bandkollegen in meiner Gitarre nicht gleich wie in seiner? So könnte man vermutlich noch stundenlang weitermachen und anstatt Licht ins Dunkle zu bringen alles nur noch komplizierter machen.

Die ganzen Fragen um die PUs inklusive der musikgeschichtlichen Hintergründe werden im Buch von Helmuth Lemme ausführlich beschrieben. Eine weitere für mich sehr hilfreiche und fürs Wickeln unverzichtbare Lektüre wurde von Ulf Schaedla verfasst. Um das Ganze noch abzurunden, gibt es von Prof. Dr.-Ing. Manfred Zollner eine Seite über die Physik der Elektrogitarre, erschienen an der Hochschule Regensburg, Fakultät für Elektro- und Informationstechnik.

Um das Lesen und Studieren von mindestens einer der drei genannten Quellen kommt man, sofern ein Perfektionsanspruch besteht, wohl nicht herum.

Ich werde deshalb nicht genauer auf Theorie und Physik eingehen, da es dafür wirklich kompetentere Leute gibt.

Wenn man sich mit dieser Thematik allerdings einmal auseinandergesetzt hat, kommt man darauf, dass man beim Selbstbau bis auf das Wickeln eigentlich keine Qualitätseinbußen bzw. Fehlerquellen hat. Die Parts sind dieselben wie bei den Profis bzw. den bei den einzelnen Herstellern gekauften PUs und das Wickeln kann man lernen. Der Vorteil beim Eigenbau besteht darin, dass wir uns die Teile, die wir verwenden, selbst aussuchen können, und wenn dann noch gewissenhaft gearbeitet wird, sind professionelle Resultate absolut realistisch.

 

Mein Erster Pickup war mit sehr viel Arbeit verbunden, was das Zusammentragen der dazu nötigen Informationen betrifft. Dafür war die Verwunderung, dass er funktionierte, umso größer. Ich bin kein „Elektromensch“ und von Physik verstehe ich auch nicht alle Welt.  Die Demonstrationen auf YouTube zeigen in fast allen Fällen nur das Aufwickeln des Lackdrahtes, aber welche Stärke verwendet wird und woher ich die Parts bekomme, in welche Richtung gewickelt wird und warum, erfahre ich nicht.

Das ist auch mein Beweggrund dafür, diese Anleitung zur Verfügung zu stellen. So kann sich jeder, der Lust hat, recht einfach an die Arbeit machen und einmal probieren. Mit jedem Pickup, den man macht, wird man sicherer und es wird nicht viel Zeit vergehen, bis man anfängt zu experimentieren. Bei mir war das zumindest so.

 

Was ich aber nicht verheimlichen will ist, dass meine ersten Versuche in keiner meiner Gitarren gelandet sind. Erst die nachfolgenden Tonabnehmer waren zu meiner Zufriedenheit. Das soll nur Mut machen. Funktionieren wird der erste auf jeden Fall und vielleicht sogar besser als das Teil, das ihr zum Vergleichen habt. Um die eigenen Vorstellungen zu realisieren, muss man aber etwas üben. Also, learning by doing!

 

Bis auf den benötigten Magneten und Lackdraht könnten wir alles selber machen. Dazu geeignet sind Materialien, die hitzebeständig (wegen dem abschließenden Wachsen), hart, aber trotzdem gut zu bearbeiten sind. Finanziell rentiert sich das aber nicht und es ist zu allem noch sehr zeitaufwändig. Von den Werkzeugen mal abgesehen kann so ein Humbucker, je nachdem von wem und in welchen Mengen ich das Material beziehe, schnell auf € 45,00 kommen. Mit den Angeboten in den Auktionshäusern muss da nicht konkurriert werden. Für einen Humbucker in Standardausführung verwende ich die fertigen Bobinen. Es ist möglich, bei Rockinger und anderen Anbietern einen Bausatz zu kaufen, bei dem alle benötigten Teile dabei sind. Das ist sicherlich zu empfehlen, wenn das fertige Ergebnis auch noch professionell aussehen soll. Ich kaufe meine Teile einzeln, da ich mittlerweile meine eigenen Vorstellungen verwirkliche um meinen Gitarren eine weitere exklusive Note zu verleihen. Mein bevorzugter Partner in diesen Sachen ist Stewart-MacDonald. Den Wickeldraht beziehe ich von der Firma Sauter in Deutschland. Ein Kilo von dem hier verwendeten 0,063 mm- bzw. 042 AWG- (American wire gauge) Lackdraht kostet ca. € 60,00.- Je nach Stärke des Lackdrahtes sind die Preise unterschiedlich.  Das Aufwickeln des Drahtes auf die Bobinen erledige ich mit der Wickelmaschiene von Shatten. Die Maschine erlaubt ein Wickeln in beide Richtungen (CW und CCW). Leider ist die Anschaffung etwas teuer und kommt so für den einmaligen Bau eines Tonabnehmers wohl nicht in Frage. Optional kann z. B. eine Bohrmaschine mit Drehzahlregler verwendet werden. Wenn eine alte Nähmaschine zur Verfügung stehen sollte, dann wäre das natürlich eine top Lösung für einen Umbau, da der Motor bzw. die Geschwindigkeit der Umdrehungen über einen Fußschalter bedient werden können. Der Umbau einer solchen Maschine wäre heute meine erste Wahl.

Die Sicherheitsvorkehrungen sollten bei einem Eigenbau solcher Maschinen aber nie vergessen werden.

 

Februar 2012   

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