Wickeln der Tonabnehmer

Ich beginne mit dem Kontrollieren der Bobinen auf überstehende Gräte, die beim folgenden Wickelgang entweder den Lackdraht beschädigen können und aber mit Sicherheit für eine partiell zu lockere Wicklung sorgen. Das hat dann zur Folge, dass die PUs mikrophonisch sind und selbst das Wachsen hilft da meistens nichts mehr. Zum Versäubern der Bobinen (wenn nötig) verwende ich 220er-Schleifpapier.

In dieser Beschreibung werden beide Bobinen CCW (gegen den Uhrzeigersinn) gewickelt. Der 0.063er-Lackdraht von der Firma Sauter benötigt für 1 kOhm ca. 1390 Wicklungen. Das heißt, dass ich für einen PU mit 8,0 kOhm Widerstand ca. 5560 Wicklungen pro Bobine brauche. Bei Verwendung eines dünneren Drahtes stimmen diese Berechnungen natürlich nicht mehr!

An dieser Stelle möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Angabe von kOhm eine übliche Form der „Klang“-Beschreibung eines PUs ist. Laut erwähnter Fachliteratur ist das aber so viel wert wie die Qualität eines Autos über die Farbe desselbigen zu bestimmen. 

Ausschlaggebend für die Übertragungscharakteristik sind neben anderen Komponenten viel mehr Resonanzfrequenz und Induktivität. All das können aber nur die wenigsten von uns messen und um einmal einen Tonabnehmer zu bauen, ist das auch nicht nötig.

 

Tipp:

Die Bobine muss absolut „mittig“ montiert sein. Ein unwuchtes, eieriges Drehen ergibt eine unsymmetrische Wicklung. Das sieht erstens nicht schön aus und trägt zweitens zu einer nicht reproduzierbaren Form bei.

 

Da wir ja für einen funktionierenden Humbucker zwei identische Spulen brauchen, ist ein rundes Laufen der Maschine unbedingt notwendig.

 

Schritt 1:

Die Spule fixiere ich auf meinem Stativ ca. einen Meter hinter mir. Den Lackdraht führe ich dann über meine Schulter. So kommt am wenigsten Zug auf den Draht. Natürlich kann man die Spule auch zwischen den Beinen auf den Boden stellen. Einfach ausprobieren und selbst entscheiden.

Zuerst befestige ich den Draht mit einem Stück Klebestreifen auf der Rückseite (das ist bei der fertigen Spule dann der Anfang).

Die ersten ca. zehn Wicklungen mache ich mit der Hand.

 

Schritt 2:

Wie bereits beschrieben befestige ich den Wickelkörper auf der Welle der Wickelmachine und beginne, anfangs etwas langsamer, mit dem Wickeln. Die ersten Lagen müssen unbedingt sauber nebeneinander liegen, da sich jede Ungenauigkeit beim weiteren Aufwickeln vergrößert. Nach ca. 500 bis 1000 Wicklungen erhöhe ich auf die volle Drehzahl.

 

Tipp:

Der Draht sollte mit der Hand gleichmäßig geführt und zwischen Daumen und Zeigefinger nicht zu straff gehalten werden. Zu straffes Wickeln verformt die Bobinen, spätestens nachdem sie im Wachsbad gewesen sind, und ergibt ein unschönes Wickelergebnis. Zu lockeres Wickeln führt zu Mikrophonie und damit unbrauchbaren Pickups.

Das Handling bekommt man aber nur durch Probieren heraus. Das Gefühl stellt sich aber schnell ein und ist, je nachdem welche Maschine man verwendet, immer anders. Ich habe eher trockene Hände und kann den Draht dadurch gut kontrollieren. Bei feuchten Händen ist das sicher etwas schwieriger. Gerissen ist mir der Draht bis heute noch kein einziges mal. Also auch da keine Angst, der hält schon was aus.

 

Schritt 3:

Wenn die gewünschte Wickelzahl erreicht ist, klebe ich den Draht mittels Klebestreifen fest und wiederhole das Ganze bei der zweiten Bobine.

 

Februar 2012   

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