Juli 2019

The Green Mamba

Liebe auf den ersten Blick? Ja, das gibt es!

Bevor ich das Konzept des Instrumentes vorstelle, möchte ich erwähnen, dass die Idee nicht von mir sondern von Paul Waller, Mastershopbuilder bei Fender kommt. Ich bin bei meinen Recherchen über Gretsch-Konstruktionen ganz zufällig auf die White Chicken (White Falcon by Gretsch) gestoßen.

Wie eingangs bereits geschrieben, war ich sofort in dieses Instrument verliebt und konnte es nicht lassen, selbst eine Interpretation dieser Gitarre zu bauen.

 

Zum Einsatz kamen folgende Materialien:

Decke: Fichte

Back: Ahorn

Zargen: Ahorn

Hals: Ahorn

Griffbrett: Ebenholz

Tonabnehmer: Gretsch FT.

Bigsby: Custom-Anfertigung

Trestle-Versteifung: Fichte

Diverse Hardwareteile wurden angefertigt.

 

Konstruktionsmerkmale:

 

Erst einmal muss man erwähnen, dass die White Chicken eine Mensur von 25" (630mm) hat und somit etwas kürzer ist als die Standard Telecaster.

Der Hals ist eingeleimt und hat einen Schwalbenschwanz. Die Zargen werden aus massivem Ahorn gebogen, Decke und Back sind natürlich auch aus massivem Holz und werden geschnitzt.

Man kann eigentlich sagen, dass es sich um eine richtige Archtop-Gitarre handelt durch die Formgebung natürlich etwas kleiner und dadurch deutlich angenehmer im Handling. Die Bauart aber ist die gleiche wie bei einer Jazzgitarre.

 

Bei den Vorbereitungen und Planungsarbeiten bin ich auf eine interessante Information gestoßen, was das Innenleben der alten Gretsch-Modelle anbelangt.

Ich wollte natürlich möglichst nahe an der White Falcon bauen, und die hat, wie man weiß, keinen Soundblock. So stieß ich auf die Trestle-Versteifung, oft auch als 1959er Bockverspannung bezeichnet.

Was ist das denn, wird man sich jetzt vielleicht fragen.

Ich fand folgende Informationen, die ich hier gerne zusammenfasse.

 

Auf Begehr von Chet Atkins entwickelte Gretsch in den späten 1950er-Jahren die Trestle-Versteifung. Grund war, dass Atkins das typische Feedbackverhalten von elektrischen Hohlkörpergitarren unterdrücken wollte.

Diese Technik hat entscheidende Vorteile gegenüber der meist zur Verwendung kommenden Sound-Post-Verspannung in Gitarren dieser Bauart.

Die Trestle-Methode kommt heute nur noch bei bestimmten Gretsch-Modellen zur Anwendung. In den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren hatte jede Gretsch eine Trestle-Versteifung.

Man ging aber dazu über, die bereits genannte Sound-Post-Methode anzuwenden, die einfacher und schneller umzusetzen war.

 

Die Sound-Post-Methode, die am häufigsten zur Anwendung kommt, hat nur zwei Auflagepunkte, die Decke und Back miteinander verbinden.

Die Trestle-Versteifung ist viel solider als die Sound-Post-Versteifung.

Sie besteht aus zwei brückenförmigen Böcken, daher kommt auch die Bezeichnung Bockverspannung, aus Fichte. Die breite U-Form verläuft parallel zur Mitte im Korpus. Beginnend am Halsfuß endet sie direkt unter der Bridge.

Der Verlauf ist direkt unter den Pickup-Löchern (parallel zu den Tonebars).

Da jede Trestle-Klammer zwei Füße (Soundpfosten) hat, gibt es vier Auflagepunkte, die mit dem Back verleimt werden. (Die Sound-Post-Verstrebung hat im Gegensatz nur einen Auflagepunkt.) Durch die vier Auflagepunkte verbessert sich das Sustain und das Feedback wird verringert. In den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren wurde jeder der vier Füße zusätzlich durch einen Dübel mit dem Back verbunden und verleimt. 

 

Natürlich ist das zusätzliche Arbeit und wird daher bei den heutigen Modellen nicht mehr gemacht. Da wird nur stumpf verleimt. Ich werde selbstverständlich die ursprüngliche Methode mit der Verdübelung anwenden.

Die oberen Teile der Trestle-Klammern werden an die Tonebars geleimt, die ebenfalls parallel an der Unterseite der Decke verlaufen. Mit dieser Verbindung versteift sich die Oberseite viel mehr als mit den normalen Sound-Post-Verstrebungen.

 

Der ganz große Vorteil der Trestle-Versteifung besteht darin, dass eine Hohlkörpergitarre wie eine Solidbody-Gitarre reagiert, der klassische Hohlkörperton aber erhalten bleibt.

Das bedeutet, dass aufgrund der erhöhten Masse (mehr Holz), der erhöhten Dämpfung des Aufsatzes und der wesentlich stärkeren Verbindung mit dem Rücken der Gitarre, eine wesentlich bessere Kontrolle über die Rückkopplung des Tones besteht.

 

Nun aber genug der tiefen Info-Materie. Im Anschluss folgen einige wesentlichen Bilder, die den Herstellungsprozess begleiten und Einblick in den Bau dieses wunderbaren Instrumentes gewähren.