Dezember 2018

Linus Tele - Bluesmaster

Transportschaden Akustikgitarre

Linus Thinline LP.

Dieses Model liegt mir ganz besonders am Herzen, da ich meinem eigentlichen Ziel ein ordentliches Stück näher gekommen bin. 

Das Model selbst ist wohl eine Mischung aus einer Supreme, Florentine und Es-Modellen. Beim genaueren Betrachten wird man aber deutlich erkennen können, dass es sich nur um eine Anlehnung an diese eben genannten Gitarren handelt, da schon Materialwahl und Bauart unterschiedlich sind. 

Der Bau selbst lief wider meinen Erwartungen völlig locker und problemlos ab. 
Wie auf den Bildern zu sehen ist (und dieses Mal kann ich Euch dank Niels sehr viele aus der Bauzeit zur Verfügung stellen), bin ich einen völlig anderen Weg gegangen, was Modell, Verarbeitung und Materialwahl betrifft. 



 

Body: 
Das Material ist bei diesem Modell Europäischer Ahorn. Der Boden und das Top sind aus Riegelahorn und auch die Rückseite ist mit einer Wölbung – exakt passend zum Top – versehen. 
Der Korpus wurde, wie auf den Bildern zu sehen ist, sorgfältig ausgehöhlt. 
Bei den meisten Thinline-Modellen, die ich gesehen habe, war das Top sehr dick. 
Um das zu vermeiden, habe ich den Boden und die Decke auch innen ausgehobelt, so dass ich bei den F-Löchern eine Archtop-artige Deckenstärke erreicht habe. Die Decke und der Boden liegen völlig eben auf dem Soundblock auf und sind mit diesem lückenlos verleimt. 


Um das umzusetzen, konnte ich den Boden und die Decke erst nach deren Verarbeitung aufleimen, was mir neue Möglichkeiten aufgezeigt hat und mich meiner ersten Jazzgitarre ein großes Stück näher gebracht hat.

Die F-Löcher sind mit einem Einfach- und der Body ist hinten und vorne mit einem Dreifach-Binding versehen. Dadurch ergibt sich von der Seite betrachtet eine sehr schlanke Form. 



 

Hals: 
Der Hals wurde dieses Mal in drei Teilen (wie bei sehr vielen Archtop-Gitarren üblich) gemacht. Das verwendete Material ist Ahorn und dazwischen sind Streifen aus Wenge. 
Das Griffbrett hat den von mir bevorzugten 12″-Radius und ist auch aus Wenge. 
Dazu kommt noch ein Einfach-Binding. 
Ziel war es, die Optik so unspektakulär wie möglich zu halten, um die zusätzlichen Extras wie F-Löcher, Bindings, gesperrten Hals, Top und Rücken in geshapter Form und die verchromten P90 besser zur Geltung kommen zu lassen. 
Deshalb habe ich auch auf ein mit Inlays übersätes Griffbrett verzichtet und mich für nur eine Markierung im 12. Bund entschieden. 
Dazu mein bevorzugter Burst-Farbton, der das angestrebte Konzept abrundet.  

 



Finish: 
Das Finish ist wieder UP-Lack und dieses Mal wurde die Gitarre „geschwabbelt“. 
Meister Edwin hat die Poliermaschine organisiert und ich die Scheiben und das Poliermittel. 
An dieser Stelle ein Danke an Paul von Musik Hinteregger in Wolfurt. 
Er hat Edi die Maschine geschenkt. 
Mir ist diese Methode noch nicht ganz geheuer, aber sie ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. 
Man hält es kaum für möglich, aber es sind trotz Internet kaum brauchbare Informationen über das Finish für Gitarren zu bekommen. Zumindest nicht über das, was wirklich wichtig ist. Die Gitarrenbauer und große Firmen geben absolut nichts preis und das, was sie an Information zur Verfügung stellen, ist leider nur die halbe Miete. Irgendwie ist das ja verständlich. Bleibt aber zu bedenken, dass die Informationen erst mal umgesetzt werden müssen, und deshalb verstehe ich die Geheimniskrämerei nur bedingt. Nichtsdestotrotz wird weiter gemacht und es wird von Gitarre zu Gitarre noch besser. 
Ich möchte noch kurz erwähnen, dass ich für dieses Finish ca. 22h gebraucht habe und davon sicherlich 16h mit Schleifen verbracht habe. 
Das Schleifen ist ein mühsamer, aber wichtiger Teil um eine saubere Fläche zu erlangen. Nur wenn der Schliff gut ist, kann das Polieren den gewünschten Erfolg bringen. Nach dem Schwabbeln ist ein letzter Poliergang mit der normalen Maschine ratsam um die Schleifspuren der Schwabbelscheiben zu entfernen. Also ihr seht schon, man kommt um die schweißtreibenden Arbeiten nicht herum.

 



Elektronik: 
Bei den Pickups handelt es sich um zwei P90. Auch diese sind natürlich handgewickelt. 
Die Herstellung von Pickups habe ich bereits in einer meiner Galerien dokumentiert und deshalb gehe ich nicht mehr näher darauf ein. 
Die technischen Werte sind bereits oben angegeben. 

Bauzeit: 
Die gesamte Bauzeit dieser Gitarre betrug ca. 100 Stunden. Davon wie bereits erwähnt etwa 22 Stunden fürs Finish und der Rest für Holzarbeit Bundierung, Pickup-Herstellung und Elektronik. 
Am meisten Zeit nimmt aber der Abschnitt in Anspruch, während dessen die Gitarre nach dem Lackieren rastet, um den Lack vor dem Polieren einfallen zu lassen. 
Zu dem Zeitpunkt ist sie eigentlich fertig und man kann es kaum erwarten (ist aber nötig, wenn man ein professionelles Ergebnis erzielen will) die Gitarre zu komplettieren. 

Zur Überbrückung dieser Zeit habe ich mit den nächsten Gitarren begonnen, um das bereits Erlernte ordentlich zu festigen und mit der Bauart der Les Paul-Modelle etwas zu experimentieren.

Mehrfach-Binding hinten und vorne, am Griffbrett, neue Kopfplatte und so weiter. 
Was dabei heraus gekommen ist, gibt es dann in den nächsten Monaten zu sehen.

 



Sound: 
Was soll ich als Erbauer schon sagen? 
Ich habe mehrere Verstärker und zu meiner Verwunderung harmoniert die Thinline Paula perfekt mit dem Fender Blues Deville. Der Neck Pu erzeugt einen wunderschönen, glockenklaren Sound und verzerrt schiebt es ganz kräftig. Mit dem Steg Pu bin ich noch nicht ganz glücklich, da er etwas brummt. Ist halt ein Single Coil und das werde ich noch ändern. 
Ich baue mir da noch was ganz Spezielles für mein Schätzchen. 
Ich denke, dass es verdammt schwierig ist objektiv zu bleiben und mit Soundbeispielen auf YouTube ist das auch so eine Sache. Die Soundqualität variiert je nachdem, über was man sich das File dann anhört, von gut bis saumäßig. 
Werde vielleicht noch was nachreichen um das Teil auch hörbar zu machen.

Jetzt kommt erst mal der Sommer. Ruhe und das eine oder andere Open Air, Baden, Grillen, Wandern,... 
Und dann sollte endlich meine erste Stratocaster kommen, ein Bass für meinen Sohn Daniel, eine Benedetto 17", eine ES335, eine...!!! 
Ihr seht schon, da kommt wohl noch einiges. 
Dauert aber noch ein wenig, denn zwischen all den Gitarren muss ich noch arbeiten und Geld verdienen. Mal ganz abgesehen von all den anderen schönen Dingen im Leben. 



 

Das Model „Sweetheart“ widme ich meiner Frau. 
Danke für das Zuhören, deine Begeisterung für meine Arbeit und die vielen Jahre, die wir zusammen sind. 

Ich liebe Dich.


Update: Den Steg-PU habe ich gegen einen P90 von S. Duncan ausgetauscht. Es handelt sich um einen Humbucker im P90 Style.  In dem Zuge habe ich einen P90 von Gibson am Neck verbaut. Die Beiden sind schon sehr unterschiedlich. Das Brummen am Steg ist weg. Ob es sich lohnt? Nun, wenn man den P90 Sound möchte, muss man das Brummen schon in Kauf nehmen. Der Neck PU von Gibson ist etwas lauter als der von S.Duncan, hat aber den P90 Sound, wie man es gewohnt ist. In Summe ist es wieder einmal eine Geschmacksache. Tonabnehmer kann man ja zum Glück recht leicht austauschen und so sind diese Veränderungen nicht endgültig. Viel wichtiger ist eine saubere Verarbeitung am Instrument selbst.