Mai 2018

Elektronik

Bei der Elektronik bin ich dieses Mal den kompromisslosen Weg gegangen.

Mir war wichtig, keinen Gibson-Klon zu bauen, sondern etwas, das sich klanglich schon unterscheidet. Ich habe ja in der Vergangenheit mit dem Bauen von Pickups einige Erfahrung sammeln können und den Vorteil eines Humbuckers in der Bauweise eines Singlecoil zu schätzen gelernt.

Meine ersten dieser Art habe ich mit Wickelkörpern von ganz normalen Humbuckern gemacht. Sie wurden so präpariert, dass ich 12 Stabmagnete montieren konnte. Das Endergebnis war aber nicht das, was ich wollte, und so habe ich begonnen, mit den Proportionen der Wickelkörper zu experimentieren. Bis zu dem hier gezeigten Pickup war es aber ein steiniger Weg. Ich erwähne hier die Vielzahl der Stunden, die ich in diesen Tonabnehmer gesteckt habe, lieber nicht. Eines sei aber gesagt: Es gab unzählige Modelle und Varianten, die zuerst gebaut, gewickelt und dann ausgelesen werden mussten, um ein Ergebnis zu erhalten, mit dem ich zufrieden sein konnte.

Da diese Bauweise einen kräftigen Tonabnehmer ergibt, musste wieder ein Schalter her, der die Resonanzfrequenz und die Überhöhung reguliert. 

In der Vergangenheit habe ich immer die fertigen Schalter von Helmuth Lemme eingebaut. Dieses Mal war das aus bautechnischen Gründen leider nicht möglich. Also musste ich auch dieses Teil selbst anfertigen. Verwendet habe ich dafür einen offenen Drehwahlschalter, Folien-kondensatoren und Widerstände, die ich für den gewünschten Sound selektiert habe. Auch da mussten einige Versuche gemacht werden, bis der richtige Mix gefunden war.

Nach dem Bestücken habe ich die Bauteile zum Schutz mit Epoxidharz vergossen. Beim Vergießen mit Epoxy muss berücksichtigt werden, dass es bei der Aushärtung zu enormen Spannungen kommt. Diese können die Bauteile beschädigen. Nachdem alles getrocknet ist, sieht der Schalter eigentlich nicht anders aus als der gekaufte.


Ein wesentlicher Vorteil der Eigenproduktion ist die individuelle Auswahl und Bestückung mit den Kondensatoren und Widerständen.

Die Vielfalt der Möglichkeiten, die sich durch so einen Wahlschalter bietet, ist bei einer sehr guten Übersicht auch in der Praxis anwendbar. Wenn man den Tonabnehmer im Humbuckerbetrieb (Steg hat 13,5 kOhm und Hals 12,7 kOhm) hört, ist man recht überrascht, wie bei diesem Wert der Klang so offen und klar sein kann. Zeigt wieder einmal ganz deutlich, dass die Ohm-Angabe zu wenig ist, um den Klang eines Tonabnehmers zu bestimmen.

In Zukunft werde ich mir die Schalter wohl selber bauen. Nicht, weil sie besser sind als die von Helmuth Lemme, sondern weil ich sie individuell an meine Bedürfnisse anpassen kann. Die Schalter, die ich bis zu dem Zeitpunkt von Herrn Lemme erhalten habe, waren erste Sahne und sind uneingeschränkt zu empfehlen.

 

Dass dieser Humbucker natürlich splitbar sein muss, versteht sich von selbst. Dies geschieht mittels Push-Pull-Schaltern, die zur Regelung der Lautstärke dienen. Somit konnte das traditionelle Bild gewahrt und auf zusätzlichen Schalterkram verzichtet werden. Die Spulen der Tonabnehmer sind so gewickelt und zusammengeschaltet, dass sie beim Singlecoil-Betrieb, in Mittelstellung des Toggle Switch, eine brummfreie Anwendung ermöglichen. Um eine saubere Abnahme der Saiten zu gewährleisten, habe ich wieder mit der CNC das Flatwork genauestens an das String Spacing angeglichen.

Um meinem Leitsatz – alles aus einer Hand – möglichst nahe zu kommen, habe ich die Pickup-Rahmen und die Tonabnehmer-Oberseite aus Holz (Makassar) angefertigt. In dem Zuge habe ich auch die Trussrod-Abdeckung aus dem selben Material gemacht.

So nach dem Motto: Wenn schon, denn schon. 

Beim Komplettieren habe ich mich dann aber dafür entschieden, die Rahmen nicht zu verwenden, da ich eine gewisse Unstimmigkeit im Design sah. Für mich passt das überhaupt nicht.

Wichtig ist, dass es mir jetzt möglich ist, auch solche Akzente zu setzen und somit noch mehr Freiraum zu erhalten. Manchmal muss man den richtigen Moment, in diesem Fall das richtige Instrument, abwarten können. 

Eine Neuerung gibt es dann aber doch noch. Ich habe mir für das Wachsen der Spulen ein Vacuumsystem gebaut. Das Ergebnis ist hervorragend und gibt meinen Tonabnehmern den letzten Feinschliff.